Anstatt des klassischen Gregorianischen Kalenders, richtet sich der Phänologische Kalender anstatt eines starren Musters, nach bestimmten Naturereignissen, die jährlich etwa um die selbe Zeit wiederkehren.
Ähnlich hierzu ist das Osterfest, welches nicht jedes Jahr am selben Datum ist, denn es wird nach dem Mond gerichtet. Der Ostersonntag ist der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsmond, irgendwann zwischen dem 22. März und dem 25. April.
Im Phänologischen Kalender unterscheidet man zwischen neun "Jahreszeiten":
Winter
Im Phänologischen Winter ruht unsere Natur. Diese sogenannte "Vegetationsruhe" spannt sich meistens von Ende November bis zur ersten Haselnussblüte Mitte/Ende Februar.
Während des Phänologischen Winters sind nur noch die bei uns überwinternden Vögel anzutreffen, Igel schlafen fest in ihren Verstecken und die meisten Bäume haben ihr Laub verloren.
Vorfrühling
Sobald die ersten Zierpflanzen blühen, beginnt die Natur, aus ihrem Winterschlaf zu erwachen. Schneeglöckchen, Christrosen und Krokusse sind unter den Vorreitern des neuen Jahres.
Stare kommen aus ihrem Winterurlaub zurück und die ersten Amseln beginnen mit ihrem Nestbau.
Dies ist die perfekte Zeit, um Obstgehölze zu trimmen und zu pflanzen oder Kaltkeimer im freien auszusäen.
Erstfrühling
Im Erstfrühling werden Wild- und Honigbienen wieder fleißig, und Rotschwänze beginnen zu brüten. Ebenso kehren Schwalben aus ihren Winterquartieren zurück.
Ringelblumen und andere Sommerblüher können ausgesäht werden, und wer seinem Rasen etwas Gutes tun will, der kann nun nachsäen, eine Neuanlage planen, oder vertikulieren.
Auch Rosen können gepflanzt, gedüngt und getrimmt werden.
Vollfrühling
Im Vollfrühling erwachen Siebenschläfer und Haselmäuse aus dem Winterschlaf, die Weinreben treiben Blätter und der Flieder blüht.
Die ersten Maikäfer schwirren nun auch durch die Luft - also eine perfekte Zeit, um Buschbohnen, Rettich, Zuckermais und Möhren im Freien auszusäen.
Nicht-winterharte Knollen wie Dahlien und Gladiolen können jetzt gepflanzt werden.
Frühsommer
Nun erfreuen uns Pfingstrosen, Holunder und Türkischer Mohn mit ihrer vollen Blütenpracht. Die Saison von Spargel und Rhabarber neigt sich dem Ende zu.
Winterroggen blüht nun, und das erste Heu kann geerntet werden.
Hecken und Ziersträucher können geschnitten werden. Dies sollte aber erst passieren, NACHDEM die ersten Jungvögel flügge geworden sind.
Hochsommer
Das wichtigste Landwirtschaftliche Ereignis beginnt hier - die Getreideernte.
Im Garten reifen die ersten Beeren, das erste Gemüse und Kräuter wie zb. Basilikum können nun geerntet werden.
Am besten erkennt man den Hochsommer daran, dass Sommerlinde und Lavendel anfangen zu blühen.
Spätsommer
Jetzt reifen Holunderbeeren, Mirabellen, Frühapfel und Felsenbirne.
Beerensträucher können geschnitten werden, Spinat, Feldsalat und Frühjahrszwiebeln gesät.
Nun ist wird ebenso die Getreideernte abgeschlossen, und in unseren Gärten gibt es massenweise Leckereien zu ernten.
Traditionell wird das Wetter im Spätsommer auch als "Altweibersommer" bezeichnet.
Frühherbst
Der Frühherbst zeichnet sich unter anderem durch die Fruchtreife von Äpfeln, Weintrauben, Hagebutten und Haselnüssen.
Spätestens jetzt sollte man Kälteempfindliche Früchte wie zb. Tomaten, Zucchini oder Paprika ernten.
Knollen und Zwiebeln von Pflanzen, die uns im nächsten Frühjahr erfreuen sollten nun ausgepflanzt werden - dazu zählen zb. Krokusse, Märzenbecher oder Tulpen.
Vollherbst
Große Schwärme von Staren sammeln sich, um in ihren wohlverdienten Winterurlaub zu fliegen, Kulturbäume verlieren ihre Blätter, während Quitten, Walnüsse und Rosskastanien reifen.
Jetzt sollten Gehölze, Rosen und Stauden sowie weiterhin Zwiebeln und Knollen von Frühjahrsblühern gepflanzt werden.
Im eigenen Garten sollten Unterschlüpfe für Igel und Futterplätze für überwinternde Vögel geschaffen werden.
Spätherbst
Im Spätherbst kommt die Natur zur Ruhe. Eichhörnchen sammeln jetzt ihre Vorräte und Igel gehen auf die Suche nach Unterschlüpfen.
Die Pflanzzeit für Gehölze und Rosen endet, nur Kaltkeimern wie Bärlauch, Eisenhut oder Pfingstrosen sollten noch ausgesät werden.
Nach dem ersten Frost reifen unsere letzten Früchte wie die Schlehe. Der Spätherbst endet nach dem Laubfall meist Mitte-Ende November.
Seit 1961 hat sich dieser Zyklus zwar etwas verschoben - Der Winter wird kürzer, der Sommer länger - jedoch bleiben die Grundprinzipien dieselben. Phänologie war früher die Möglichkeit für Menschen, Zeit zu messen, die nicht nur Tag und Nacht ist. So wurde Kindern damals womöglich beigebracht, dass sobald der Holder reif ist, es nicht mehr lange dauert, bis die gewöhnlichen Hundsrosen (Rosa canina) ihre Hagebutten ausbilden, die durch ihren leicht vanilligen Geschmack auch heute bei Sammlern und Teefreunden noch ein echtes Highlight sind.